Filmfest startet am 5. November: „Gesichter der Sucht“

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Suchtkranke und ihre Angehörigen brauchen ein dichtes Netz guter Hilfsangebote: (von links) OB Dr. Frank Dudda (Schirmherr), Kristin Pfotenhauer (Jugend-, Konflikt- und Drogenberatung Herne), Andreas Niedrig (Ex-Junkie, Bestsellerautor und Themenbotschafter), Frank Köhler und Susanne Schübel (beide Vorstand des Paritätischen Herne) engagieren sich für das 8. Paritätische Filmfest zum Thema „Gesichter der Sucht“. Foto: Der Paritätische Herne

„Gesichter der Sucht“ – so lautet das Schwerpunktthema des achten Paritätischen Filmfestes, zu dem der Paritätische Herne an vier Novembersonntagen um 12.30 Uhr in die „FilmWelt“, Berliner Platz 7 bis 9, einlädt.
Vier Spielfilme und Dokumentationen erzählen Geschichten aus der Abhängigkeit – von harten Drogen, Alkohol oder Essstörungen. Schirmherr der Veranstaltung ist der Herner Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Als Themenbotschafter wird der Ironman-Weltrekordler, Bestsellerautor und Coach Andreas Niedrig beim Auftakt am Sonntag, 5. November, live dabei sein. Der Eintritt ist kostenfrei.
Im Jahr 2000 gehörte Andreas Niedrig aus Oer-Erkenschwick, damals 30, zur Top Ten der Triathleten weltweit. Niemand wusste etwas von seiner Vergangenheit als schwer Heroinabhängiger. Die enormen sportlichen Erfolge machten die Presse neugierig. Welchen sportlichen Background hat ein 30-Jähriger, der wie Phönix aus der Asche plötzlich die Ironman-Rennen weltweit mitbestimmt? Damals entstand sein Bestseller„Vom Junkie zum Ironman“, in dem Niedrig von seiner Drogenabhängigkeit und seinem Weg aus der Sucht heraus berichtete.
2008 wurde Niedrigs Geschichte unter dem Titel „Lauf um dein Leben“ verfilmt, kam in die Kinos und bildet in diesem Jahr in Anwesenheit von Andreas Niedrig am Sonntag, 5. November den Auftakt des Paritätischens Filmfests in Herne. Andreas Niedrig: „Seit nun mehr als 22 Jahren stehe ich mit meiner Geschichte dafür, dass es immer auch einen Weg raus aus der Sucht geben kann. In diesen Jahren ist mir allerdings eines bewusst geworden: Wir als Gesellschaft müssen vor allem Hilfestellungen bieten, dass Menschen erst gar nicht in eine Sucht abrutschen. Dafür stehe ich als Mensch mit meiner Geschichte und auch in Vorbildfunktion, wie und dass es funktionieren kann, aus einer Sucht herauszukommen!“
Ein dichtes Netz von Hilfsangeboten in Herne ist auch dem Schirmherrn des Filmfestes, OB Dr. Frank Dudda, wichtig: „Sucht ist ein starkes seelisches Bedürfnis, das nicht von heute auf morgen beginnt, sondern ist vielmehr ein langwieriger Entwicklungsprozess. Wer das Stadium der Abhängigkeit erreicht hat, ist nicht mehr in der Lage, das süchtige Verhalten zu steuern und kann zu einer schweren Belastung für sein Umfeld werden. Aus diesem Grund arbeiten die Stadt Herne, die Wohlfahrtsverbände, Vereine und die Kirchen zusammen, um ein möglichst umfangreiches Hilfsangebot für Suchtkranke und ihre Angehörigen anzubieten.“
„Drogen sind ein Teil unserer gesellschaftlichen Lebensrealität. Zwar muss nicht jeder Konsum problematisch sein, wenn das Maß stimmt“, sagt Oliver Becker, Geschäftsführer des Paritätischen Herne. Oft werde dieses Maß jedoch überschritten. Becker: „Als Verband der Wohlfahrtspflege ist der Drogenkonsum für uns schon lange ein Thema. Zahlreiche Mitglieder in der Beratung und in der Selbsthilfe helfen Menschen, deren Drogengebrauch ein kritisches Maß erreicht hat. Hier können wir in den letzten Jahrzehnten einen interessanten Wandel beobachten: Es geht weg vom Dogma der Abstinenz hin zu „harm reduction“. Gemeint ist akzeptierende Arbeit und Schaffung von Angeboten für Abhängige, mit denen diese ohne dauerndes Schuldgefühl leben können.“
Nach dem Auftaktfilm „Lauf um Dein Leben“ wird am Sonntag, 12. November, der Film „Sucht – Vier Menschen in Berlin“ gezeigt, am Sonntag, 19. November, läuft „Aus Haut und Knochen“ und am Sonntag, 26. November, „Der Rausch“. Alle Filme beginnen um 12.30 Uhr, wegen der begrenzten Platzzahl bittet der Paritätische um Anmeldung unter Telefon 02323/14778317 oder per E-Mail an herne@paritaet-nrw.org. Mehr Informationen zu allen Filmen gibt es unter https://herne.paritaet-nrw.org.

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