175 Jahre Bahnhof Herne: Ein Blick in die jüngere Geschichte mit dem Stadtarchiv!

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Bild: Stadtarchiv Herne

Am Sonntag, 15. Mai, jährt sich zum 175. Mal die Eröffnung des Herner Bahnhofs, damals noch unter dem Namen Herne-Bochum geführt, denn die Nachbarstadt konnte zu diesem Zeitpunkt keinen eigenen Bahnhof vorweisen, sodass die Bochumer einen rund anderthalbstündigen Fußmarsch in Kauf nehmen mussten, wenn eine Fahrt mit dem Zug anstand.
Die Ankunft des ersten Zuges sorgte bei den Einheimischen für gemischte Gefühle. So berichtete Johannes Decker in seinem 1927 herausgegebenen Heimatbuch der Stadt Herne, dass bei der „dröhnenden, keuchenden und fauchenden“ Einfahrt des Zuges die Angsthasen, so schnell sie ihre Beine tragen konnten, feldeinwärts liefen. Die Mutigen jedoch harrten am Bahnhofsgebäude aus.
Schnell gewöhnten sich aber die Menschen an das neue Fortbewegungsmittel. Die Eisenbahn machte die 1842 angelegte Chaussee zum wichtigsten Bahnhofszubringer.
Täglich zog eine große Zahl von Fuhrwerken und Personenkutschen Richtung Bahnhof. Entlang der Chaussee entstanden Gasthöfe, Krämerläden und Handwerksbetriebe. Keine 40 Jahre später, 1881, wurde aus der Chaussee die Bahnhofstraße mit den stetig neu erbauten repräsentativen Gebäuden.
Knapp 50 Jahre nach Eröffnung bereitete die Haltestelle der Köln-Mindener Eisenbahn den Fußgängern und Pferdefuhrwerksbesitzern zeitliche Probleme: Die Bahnschranken blieben von morgens bis abends im Schnitt 41 Minuten pro Stunde geschlossen und wurden nur dann für ein kurzes Zeitfenster geöffnet, wenn sich eine „größere Anzahl Publikum und Wagen angesammelt hatten“. Zwar gab es eine eiserne Brücke, die jedoch für Ältere und Kinder als beschwerlich und gefährlich angesehen wurde.
Nach einigem Hin und Her begann man schließlich 1913 mit der Anhebung des Bahnhofs und der Unterführung der Bahnhofstraße in dem Bereich.
Gleichzeitig wurde das alte Bahnhofsgebäude durch einen zeitgenössischen Neubau ersetzt. Die Umbauten fanden 1917 ihren Abschluss.

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