Ein Schwätzchen anne Bude

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Ein Auto fährt auf den ehemaligen Sodinger Marktplatz vor Heike’s Kiosk, der Fahrer kurbelt das Fenster herunter und grüßt freundlich. Die Besitzerin der Bude ist schon auf dem Weg zu ihm, eine Tageszeitung unter dem Arm. Schnell noch ein kurzes Schwätzchen und dann ist der Kunde auch schon wieder weg. Einer von vielen, die jeden Tag vorbeikommen und dort frischen Filterkaffee, Bonbons, Getränke, Zigaretten oder Printprodukte kaufen. „Ich habe überwiegend Stammkunden. Man kennt sich gut und vertraut sich. Es ist fast wie im Wohnzimmer. Aber es gibt auch Regeln. Die beiden Stühle hier sind privat für meine Mitarbeiterinnen und mich, damit man sich auch mal setzen kann. Da kenne ich kein Pardon.“
Dass sie ihren Herzenswunsch schon in frühen Jahren umsetzen würde, war Heike Chuchra schon mit jungen Jahren völlig klar: „Ich wusste ganz genau, dass ich irgendwann einmal mein eigenes Büdchen haben möchte.“ Sie hat das im Jahr 1924 als „Bedürfnisanstalt/Warte- und Trinkhalle“ errichtete Gebäude vor 20 Jahren vom ehemaligen Besitzer Detlef Logemann übernommen. „Ich hatte vorher schon zehn Jahre dort als Angestellte gearbeitet“, berichtet sie. Als der damalige Chef sie dann fragte, ob sie die Bude übernehmen möchte, musste sie es sich dennoch gut überlegen und räumte erst einmal viele Dinge um.
Seitdem ist die Bude Treffpunkt für die halbe Nachbarschaft, die sich bei „Heike’s Kiosk“ mit Zeitungen, Tabak, Eis oder Getränken eindeckt. Früher, so erzählt die gebürtige Wannerin, sei auf dem Marktplatz richtig viel los gewesen. Dieser ist inzwischen umgezogen vor den Mont-Cenis-Platz. Heute entsteht dort das Ökowohnprojekt We-House (wir haben darüber berichtet) und zurzeit werden die letzten Betonquader für Fensteröffnungen aus der Außenwand geschnitten. Viele Kunden verfolgen es mit Spannung, aber anfangs sorgten sie auch um den Erhalt ihres Büdchens. Doch Hoffnung naht: „Mein Kiosk soll auch nach einer Umgestaltung des Platzes erhalten bleiben und unter Denkmalschutz gestellt werden, ein Antrag läuft bereits.“

Fest verwurzelt
Mit ihrem Büdchen und dem Quartier ist Heike Chuchra sehr verwurzelt und sie bereut es keinen Tag, dass sie sich mit dem Kiosk selbstständig gemacht hat. „Wenn es nach mir geht, mache ich noch viele, viele Jahre weiter. Aufhören? Nein, auf keinen Fall. Aber darüber habe ich mir bis jetzt auch noch keinen Kopf gemacht.“