Anders Wohnen in Herne

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Leben unter ökologischen Gesichtspunkten, in einem modernen und nachhaltigen Wohnhaus, mit Solarflächen, eigenem Strom und Selbstversorgung. Diese Vision haben viele Menschen, die sich ein autarkes Leben wünschen. Und es ist keine Spinnerei, sondern wird jetzt im Hochbunker an der Mont-Cenis-Straße in die Tat umgesetzt. Wo man in den Kriegsjahren vor den Bomben der Alliierten Schutz suchte, entsteht das sogenannte „we-house Herne“: Ein ehrgeiziges Ökowohnprojekt, für das jetzt in Solingen der Startschuss gefallen ist.

Hinter dem „we-house Herne“ steckt das Stuttgarter Projektentwicklungs-Unternehmen Archy Nova: In dem neungeschossigen Turm und dem viergeschossigen Riegel sind 25 Wohneinheiten von 33 bis 200 Quadratmeter geplant. Investor und Firmenchef Gerd Hansen bezeichnet dies als eine revolutionäre Form des Bauens und des Wohnens und ein Leben mit möglichst kleinem ökologischem Fußabdruck. Für das umweltfreundliche Projekt haben sich bereits rund 20 zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner zusammengefunden. Sie wirken als Bauherren mit, denn es handelt sich hier nicht um ein klassisches Bauträgerprojekt, sondern um ein genossenschaftliches Eigentumsmodell. So werden sie quasi Miteigentümer und können über alle wichtigen Angelegenheiten mitentscheiden.

Aufwertung des Stadtteils
Oberbürgermeister Frank Dudda zeigte sich beim Start des Bauvorhabens, als der erste tonnenschwere Betonquader aus dem Hochbunker gelöst wurde, beeindruckt: „Dieses Projekt stellt die Qualität des Wohnens und der Nachbarschaft in den Mittelpunkt. Es wird den Stadtteil auch optisch noch einmal deutlich aufwerten und mit seinem innovativen und ökologischen Wohnkonzept weit über die Grenzen der Stadt hinaus strahlen.“ Auch künftige Bewohner, die sich zum Teil schon kennengelernt haben, freuten sich, dass es jetzt endlich losgeht. So etwa Gabriele Jüttner: „Für mich ist das we-house Herne eine sich aktuell realisierende Vision.“ Die Bochumerin hat sich bereits für eine Wohnung mit tollem Ausblick hoch oben im Turm entschieden. Das familienfreundliche Mehrgenerationenhaus zieht auch Menschen aus der Region nach Herne, die das gemeinschaftliche und nachhaltige Konzept des Hauses schätzen. Auch Keschy und Petra Faryar sind entschlossen, in das Wohnprojekt einzuziehen. Sie freuen sich auf einen Ort der Nachhaltigkeit, der solidarischen Nachbarschaft und eines ressourcenschonenden Lebens.

Bewohner setzen auf Gemeinschaft
Das bereits als NRW-Klimaschutzsiedlung ausgezeichnete Gebäude setzt auf ein einzigartiges, neu entwickeltes Energiekonzept. Die Technik der Mobilfunkmasten auf dem Dach etwa soll viel Abwärme erzeugen, damit der Hochbunker vorgeheizt werden kann. Die zusätzlich benötigte Heizleistung und die Stromversorgung werden durch eine Photovoltaikanlage erzeugt. Ebenso ist eine sogenannte „Indoor Farm“ für den Anbau von Obst und Gemüse zum Eigenbedarf geplant. Dies soll in einer Gemeinschaftsküche sowie in einem Bunker-Restaurant verarbeitet werden. Nachhaltige Mobilität spielt auch eine Rolle, so steht auch das Carsharing mit Elektroautos auf der Ideen-Liste.
Die Kosten für eine Wohnung liegen dabei preislich etwas über den in Herne üblichen, da neben dem eigenen Wohnraum auch weitere Gemeinschaftsflächen wie Kaminzimmer mit Bibliothek, Gästeapartments, eine Sauna mit Wellnessbereich sowie eine 500 Quadratmeter große Dachterrasse zur Mitnutzung entstehen.
Die Betonabbrucharbeiten dauern noch bis Ende Juli, im August beginnen die Ausbauarbeiten. Die Fertigstellung des Projekts ist bis Sommer 2021 vorgesehen. Einige der 25 Wohnungen sind noch frei, Infos und Anfragen unter herne@we-house.life, Telefon: 0711/12046900.

Siehe auch die Bildergalerie dazu.