Hospizdienst stärkt ambulante Arbeit mit digitalen Mitteln

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OneDrive, Streaming, VPN und Zoom im Home Office: Für den Ambulanten Hospizdienst waren das noch Anfang 2020 Begriffe aus einer fremden Welt. Doch Zeiten ändern sich. Um auch trotz widriger Umstände mit Menschen am Ende des Lebens in Kontakt bleiben zu können, trainiert der Hospizdienst zur Zeit den Umgang mit modernster Kommunikationstechnik. Die Grundlage dafür schuf das Konzept „Nähe herstellen trotz Abstand – Ambulante Hospizarbeit durch digitale Möglichkeiten nachhaltig erweitern“, das von der Stiftung Wohlfahrtspflege finanziell gefördert wird.

Die Stiftungsmittel ermöglichen dem Hospizdienst die Anschaffung von Hard- und Software für Patientenkommunikation und „Mobile Office“ sowie für die dazu notwendigen Schulungen. Im Aufbau befindet sich ein Verleihsystems für spezielle Tablets, auf denen die einfach zu bedienende Software „DatVideo“ den Dialog zwischen den Zeitschenkern und den Patienten über einen einzigen Knopfdruck eröffnet. An der Entwicklung der Software war der Ambulante Hospizdienst als Pilotpartner des Anbieters beteiligt.

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Rückmeldungen positiv
Erste Zeitschenkerinnen und Zeitschenker haben sich in Schulungen bereits mit der neuen Technik vertraut gemacht. Die Rückmeldungen fielen durchweg positiv aus. „Meine Begleitung ist glücklich, dass sie diese Möglichkeit des Treffens mit mir nutzen kann, wenn ein persönlicher Besuch mal nicht klappt!“ kommentierte eine Ehrenamtlerin. „Bei einem Telefongespräch reden wir immer nur kurz, aber bei unserem Videogespräch einmal wöchentlich reden wir länger als eine Stunde miteinander,“ sagt eine andere, die bereits regelmäßig mit einer Heimbewohnerin, „chattet“. Sie ist überzeugt: „Eine neue Generation von Heimbewohnern mit digitalen Kenntnissen wird bald nachrücken, darauf sollten wir uns alle einstellen.“

Basiskurs auf Zoom erfolgreich beendet
Um den jährlichen Einführungskurs für ehrenamtliche Sterbebegleitende überhaupt stattfinden lassen zu können, vertrauten die Koordinatorinnen 2021 erstmals auf die Meeting-Plattform Zoom. Dafür musste jede Methode aus dem großen Fortbildungsrepertoire überprüft und abgeändert werden. Die Mühe hat sich gelohnt: Anfang Juni ging das Basismodul mit der Rekordzahl von 17 Teilnehmerinnen erfolgreich zu Ende. Der zweite Kursteil mit vertiefenden Angeboten wird momentan den aktuellen Corona-Regelungen flexibel angepasst.

Balance halten
„Digitale Möglichkeiten können eine wunderbare Ergänzung unserer Arbeit sein“, resümiert die Koordinatorin Karin Leutbecher den Perspektivwechsel. „Früher hielten wir YouTube für einen netten Zeitvertreib, heute nutzen wir ihn als weitere Plattform für unsere Öffentlichkeitsarbeit.“ Neben dem Verstehen und Aneignen der neuen Techniken sieht sie allerdings „die größte Herausforderung, möglichst viele Zeitschenker auf diesem neuen Weg mitzunehmen und gleichzeitig die Balance zu persönlichen Kontakten zu erhalten.“

 

Bild:Ein Klick und die Verbindung steht: Jutta Handel, Zeitschenkerin beim Hospizdienst, trainiert Patientenkommunikation mit dem neuen „DatVideo“-Tablet.

 

Quelle & Foto: Ambulanter Hospizdienst Herne