Brunnenwasser: Untersuchung trotz Corona möglich

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Harald Gülzow im Labormobil beim Analysieren einer Brunnenwasserprobe. Das Bild ist zur freien Verwendung im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung

Für Gartenbesitzer wird Brunnenwasser sehr wichtig. Gerade in der Corona- Pandemie haben immer mehr Menschen die Freude am Gemüseanbau entdeckt und  festgestellt, dass das Planschbecken den Besuch im Freibad ersetzen kann.  „Bevor jedoch das Wasser aus dem eigenen Brunnen zum Gießen von Gemüse oder  zum Planschen verwendet wird, raten wir dringend zu einer Untersuchung, um  Gesundheitsgefahren auszuschließen“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende  im VSR-Gewässerschutz. Das Grundwasser kann durch die intensive  Landwirtschaft mit Nitrat und Pestiziden belastet sein. Eine weitere Gefahr  stellen Krankheitserreger dar, die durch verschiedene Einflüsse ins  Brunnenwasser geraten können.

Die Umweltschützer hatten geplant, am 1. Juni mit ihrem Labormobil nach  Herne zu kommen. Doch leider ist das derzeit wegen der Coronakrise nicht  möglich. Milan Toups und Dipl.-Phys. Harald Gülzow beraten interessierte  Bürger stattdessen am 1. Juni von 10 bis 14 Uhr unter Tel. 02831/9763342, wie sie Gesundheitsrisiken durch die Verwendung des eigenen  Brunnenwassers ausschließen können. Ausführliche Informationen zu den  Belastungen gibt es auch auf der Homepage der gemeinnützigen  Gewässerschutzorganisation unter www.vsr-gewässerschutz.de/analyse/. Ob das eigene Brunnenwasser für das Befüllen des  Planschbeckens, zum Gießen, als Tränkwasser für Tiere oder sogar zum  Trinken geeignet ist, können Bürger erfahren, wenn sie ihre  Brunnenwasserprobe zur Geschäftsstelle des VSR-Gewässerschutz in Geldern  senden. Die Gießwasseruntersuchung auf Nitrat-, Eisen-, Säure- und  Salzgehalt erhalten Brunnenbesitzer bereits gegen eine geringe  Kostenbeteiligung von 19 Euro. Gegen eine weitere Kostenbeteiligung werden  umfangreichere Untersuchungen auf Parameter wie Phosphat oder Bakterien  angeboten.

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Damit die Ergebnisse auch aussagefähig sind, sollen zur Probenahme und  Transport Mineralwasserflaschen genutzt werden. Besonders geeignet sind  dabei bis zum Rand gefüllte 0,5 l Flaschen aus Kunststoff. „Zum Versenden  wird kein neuer Karton benötigt. Es eignen sich auch Verpackungen von  Geräten oder gebrauchte Kartons. Wir empfehlen die Hohlräume mit  Zeitungspapier auszustopfen“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Das Team vom VSR- Gewässerschutz erstellt nach der Analyse ein ausführliches Gutachten, das  dann nach zwei bis drei Wochen mit der Post zugesendet wird. Die  Brunnenbesitzer werden mit ihren Messwerten nicht allein gelassen. Dipl.- Phys. Harald Gülzow, der Experte zum Thema Brunnenwasserqualität,  beantwortet immer freitags zwischen 10 und 13 Uhr Fragen zu den Messwerten.

Dem VSR-Gewässerschutz ist es wichtig, die Menschen über Belastungen des  Grundwassers zu informieren. Bürger erhalten nun erstmalig über die neue  interaktive Nitratkarte Nordrhein-Westfalen 2020 Informationen, ob in ihrer  Region das Grundwasser mit Nitrat belastet ist. Wer neugierig ist, was die  Umweltschützer in Herne gemessen haben, kann unter dem Punkt  „Nitratbelastung“ auf der Homepage der Gewässerschützer eingesehen werden.

Seit 40 Jahren engagieren sich die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz für  das Leben am und im Wasser. Mit ihrer Arbeit setzen sie sich für den Schutz  der Gewässer ein. Mit ihren Messkampagnen treibt die gemeinnützige  Umweltschutzorganisation umweltpolitische Maßnahmen voran. „Gartenbesitzer,  die beim VSR-Gewässerschutz ihr Brunnenwasser untersuchen lassen, helfen  Belastungen aufzudecken. Es ist dringend nötig, dass die Politik endlich  eine Agrarwende – hin zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft  unterstützt“, so Susanne Bareiß-Gülzow.

Nitrate im Grundwasser
Das Grundwasser ist vielerorts stark mit Nitrat belastet. Der Hauptgrund  dafür ist die intensive Landwirtschaft. Insbesondere der übermäßige Einsatz  von Dünger auf Ackerflächen führt dazu, dass Brunnenwasser im Garten häufig  nicht mehr uneingeschränkt verwendet werden kann. Allerdings sind nicht  alle Brunnen in der Region mit Nitrat belastet. Selbst bei benachbarten  Brunnen gibt es große Unterschiede, je nachdem aus welcher Tiefe das Wasser  gefördert wird. Wasser mit höheren Nitratkonzentrationen ist aus  gesundheitlichen Gründen nicht zum Trinken geeignet. Auch die Verwendung  zum Befüllen eines Planschbeckens oder Teichs wird eingeschränkt. Beim  Gießen ist es wichtig, die Nitratkonzentration zu kennen. Eine  Nitratanreicherung im Gemüse kann man verhindern, indem Nährstoffe aus dem  Gießwasser bei der Düngung angerechnet werden.

Eisen im Grundwasser – Hinweis auf guten Nitratabbau
Nitrat kann im Grundwasser aber auch abgebaut werden. Allerdings entsteht  dabei gelöstes Eisen. So stellen viele Brunnenbesitzer in den letzten  Jahren fest, dass ihr Brunnenwasser immer eisenhaltiger wird. Das ist ein  Segen und ein Fluch zugleich: Ihr Wasser weist immer noch eine sehr geringe  Nitratbelastung auf. Doch eine hohe Eisenkonzentration im Brunnenwasser  kann das Wasser gelb/orange verfärben. Schön ist das nicht – besonders nicht  in einem Planschbecken oder an weißen Hauswänden. Außerdem kann es beim  Gießen zu Pflanzenschäden kommen. Durch die Ablagerungen kommt es zu  verstopften Leitungen und Schäden an Geräten.

 

Bild: Harald Gülzow beim Analysieren einer Brunnenwasserprobe.

 

Quelle & Foto: VSR