Es geht los: Die Bäder werden ausgewintert

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Von Heidi Hagemann

Das Flutlicht ist angeschaltet, fleißige Menschen in gelben Schutzanzügen – mit Gummistiefeln und Schutzbrillen ausgerüstet – stehen im Außenbecken des Kombibades Südpool an der Bergstraße in Herne-Süd und lassen die Hochdruckgeräte arbeiten. Ein typisches Bild kurz vor dem Start in die Freibadsaison. Von „Auswinterungsarbeiten“ ist dann die Rede.

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Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie ist alles ganz anders. „Wir arbeiten hier trotz Kurzarbeit mit Hochdruck und geben richtig Gas. Normalerweise dauert es zwei Wochen, jetzt ziehen wir das in sechs Tagen durch“, erklärt Hans-Lothar Przybyl, Geschäftsführer der Herner Bäder Gesellschaft (kleines Foto im Text). Die neue Covid-Verordnung des Landes kam für ihn ein wenig überraschend. Diese besagt, dass ab einer Inzidenz unter 100 die Freibäder wieder für das reine Sportschwimmen ohne Nutzung der Liegeweisen öffnen dürfen. Und ab einer Inzidenz unter 50 dürfen die Gäste auch ein Bad in der Sonne nehmen und die Außenanlagen nutzen. Voraussetzung ist jeweils ein negativer Corona-Test oder Impfnachweis.
„Wir sind natürlich alles sehr froh, dass es jetzt so schnell losgehen kann“, sagt Przybyl. Daher hat sich ein Spezialteam von zehn Mitarbeitern aus den verschiedenen Abteilungen gebildet. „Ja, alle packen hier mit an und darauf bin ich natürlich sehr stolz“, lobt Przybyl.

Zuerst Grundreinigung
Zunächst geht es ans Grundreinigen und Befüllen der Becken. Hier haben sich seit dem „Einwintern“ im Oktober Laub, Erde, Algen und Geäst angesammelt. Wenn das „Dreckwasser“ abgelassen wird, geht es ans Putzen und „Kärchern“ der Edelstahlbecken. Im Anschluss werden die Wasserabläufe und Rinnen sowie die Beckenumläufe gereinigt. Ein großes Problem sind hier die Hinterlassenschaften der Kanada-
gänse, die sich gerne aus dem benachbarten Naturschutzgebiet auf dem Gelände des Südpools niederlassen. „Das verursacht natürlich sehr viel Arbeit, den ganzen Dreck zu entsorgen“, sagt Przybyl mit sorgevollem Blick. Denn auch während des laufenden Betriebes kommen die „Problemgänse“ allabendlich und hinterlassen ihre Exkremente.
Wenn die Arbeiten diese Woche abgeschlossen sind, erfolgt in den nächsten Tagen die Befüllung mit frischem Wasser, welches dann durch die großen Pumpen im Keller zirkuliert. Dabei kommen zum Beispiel Aktivkohlefilter zum Einsatz. Weiterer wichtiger Schritt ist die Kontrolle der Wasserproben durch das Hygieneinstitut in Gelsenkirchen, was rund zwei Wochen dauert. Dabei handelt es sich um eine sehr umfangreiche Prüfung, zum Beispiel auf Keime und Legionellen. Ist dieser Prozess abgeschlossen, folgt die Abstimmung mit der Gesundheitsbehörde der Stadt.

Ausgeklügeltes Konzept
Das Bäder-Team wird dann ein ausgeklügeltes Hygiene- und Sicherheitskonzept anwenden. So wird es zum Beispiel erforderlich, Personenobergrenzen zu beachten und gegebenenfalls einen Wechsel im Wasser zu organisieren. So gibt es bereits gute Erfahrungen aus dem letzten Jahr, als anstelle des reinen „Bahnenziehens“ Schwimmen im Rundkurs angesagt war. Sehr bewährt hat sich auch das Einbahnstraßen-System, neu ist eine EDV-gesteuerte Ticketbuchung über das Internet. Gäste müssen sich dann über die Homepage www.suedpool-herne.de ein E-Ticket für ihre gewünschte Schwimmzeit aufs Handy laden. Denn eines ist klar: Die Sicherheit geht vor. „Wir haben gute Erkenntnisse im letzten Jahr gesammelt und hoffen, dass uns diese Zeit noch weitere bringt“, sagt Przybyl. Sein Tipp: Sobald es losgehen kann, schon Karten im Vor-aus buchen. Denn gerade in den ersten Tagen werde es wohl einen Ansturm auf den Südpool geben.

 

INFO

• Inzidenz über 100: Alle Hallenbäder und Freibäder müssen für die Öffentlichkeit grundsätzlich geschlossen bleiben. Eine Ausnahme im Kombibad Südpool ist das Training für die Feuerwehr-Azubis und Auszubildende für den Bäderberuf, für das Sport-Abi sowie zur Vorbereitung einer Aufnahmeprüfung an einer Sporthochschule.

• Inzidenz unter 100 und über 50: Freibäder dürfen zur Sportausübung öffnen, aber ohne Liegewiesen. Voraussetzung ist ein negativer Schnell- oder Selbsttest sowie Impfausweis.

• Inzidenz unter 50: Freibäder dürfen öffnen, Auch Liegewiesen dürfen benutzt werden. Voraussetzung ist ein negativer Schnell- oder Selbsttest sowie Impfausweis. Personenbegrenzung 1 Person pro 7 Quadratmeter Wiesenfläche.

 

Bild: Serviceleiterin Anna Funk und Hauswart Andreas Will legen sich ins Zeug und machen das Becken mit einem Hochdruckgerät sauber.

 

Quelle: Mein Herne

Foto: Heidi Hagemann