Sorgt Corona für einen Baby-Boom?

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Welche Auswirkungen hat Corona auf die Familienplanung? Gibt es ihn nun – den Corona-Baby-Boom? Für Industrieländer wie Deutschland erwarten die meisten Demografen eher einen Rückgang oder keinen Effekt. Dennoch verzeichnet die St. Elisabeth Gruppe einen kontinuierlichen Anstieg der Geburtenzahlen in den Herner Einrichtungen. Einen Zusammenhang zu Corona sieht man nicht.
Die Redaktion hat die Stimmung eingefangen – bei Hebammen und Familien. Patricia hat am 14. September die kleine Karolina entbunden – mitten in einem aufregenden Corona-Jahr. Keine einfache Situation, wie sie bestätigt: „Besonders in den ersten Wochen der Schwangerschaft herrschte wirklich eine große Verunsicherung. Noch wusste niemand, wie sich das Virus bei Schwangeren auswirken würde. Trotzdem wurde Sicherheit suggeriert und das hat mich geärgert. Denn es gab ja durchaus Fälle, in denen sich Coronaviren auf die Plazenta übertragen haben oder in der Muttermilch vorhanden waren.“

Geburtsvorbereitung am PC
Die 34-Jährige war dementsprechend sehr vorsichtig und auch ihr näheres Umfeld habe sie wie ein rohes Ei behandelt. Eine wichtige Phase im Leben, die besonders viel mit Interaktion zu tun hat, musste nun online stattfinden. Alleine vor einem Bildschirm. „Gerade der Geburtsvorbereitungskurs fühlte sich seltsam einsam an. Da fehlte einfach der spontane Austausch, den ich mir eigentlich sehr gewünscht hatte.“ Aber auch der Besuch von Babyflohmärkten oder speziellen Geschäften in der Stadt auf der Suche nach einem Kinderwagen musste ausfallen. Zu Terminen bei der Gynäkologin konnte Patricia ihren Mann leider nicht mitnehmen. „Die schöne Zeit der Vorfreude, wie Schwangere es sonst erleben, war bei mir durch Ungewissheit und eine künstliche Distanz geprägt.“
Genauso geht es auch der werdenden Mutter Assja. Sie erwartete Ende Januar ihr Baby und die Pandemie habe sie vor einige Herausforderungen gestellt. „Man ist nur für sich. Es gibt kein Schwangerschafts-Yoga, keine Wassergymnastik – einfach nichts, wo man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann.“ Für die 40-Jährige ist es das erste Kind, gerne hätte sie an Informations-Abenden der umliegenden Krankenhäuser teilgenommen, doch Corona forderte ein enormes Umdenken. Ihre Hebamme Ann-Kathrin Landsgesell gibt der Hernerin Recht: „Es treten ganz andere Fragen und Sorgen auf. Das Thema Maske und Entbindung oder die bange Frage, ob der Partner bei der Geburt dabei sein darf.“
Der Austausch und das soziale Umfeld seien eben sehr wichtig und dass dies jetzt nicht möglich ist, führe zu Frust bei den Familien, so Landsgesell. Dennoch seien die meisten ihrer Klientinnen sehr gut drauf und tapfer. Und das Ganze habe auch etwas Positives: Aufgrund der Kontaktbeschränkungen haben die Mütter mehr Zeit, sich von der Geburt im Wochenbett zu erholen, da sie weniger Besuch bekommen.

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Bild: Die kleine Karolina und Mama Patricia.

 

Quelle: Heidi Hagemann, Mein Herne

Foto: privat