Wenn der beste Freund nicht für immer bleibt

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Haustier-Boom im Lockdown! Viele Menschen haben sich im vergangenen Jahr für einen neuen, vierbeinigen Mitbewohner entschieden – häufig Welpen. Ganz nach dem Motto: Hauptsache nicht alleine zu Hause im Homeoffice und eine sinnvolle Aufgabe zu Hand.
Doch jetzt die überraschende Erkenntnis: Die Homeoffice-Pflicht ist vorbei und der kleine, niedliche Fellknubbel braucht auch weiterhin Zeit, Aufmerksamkeit und kommt vermutlich in die „Pubertät“.
Viele dieser „Lockdown-Welpen“ landen jetzt in den örtliche Tierheimen. Wir haben uns mit den Verantwortlichen des Tierheimes Herne Wanne verabredet – ist der Welpen-Umtausch-Trend auch hier bereits angekommen?

Welpen-Umtausch-Trend

„Gott sei Dank bisher noch nicht!“, erklärt Fritz Pascher, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins Herne-Wanne, der das Tierheim betreibt. „Aber wir schauen mit Sorge nach Norddeutschland. Hier haben wir Kontakt zu einigen Tierheimen – da sieht es bereits ganz anders aus. Zusätzlich haben dort die Ferien früher als hier in Nordrhein Westfalen angefangen. Erfahrungsgemäß landen dann ja auch alle Jahre wieder viele Tiere in den Tierheimen.“ Die Ruhe vor dem Sturm – wer weiß…
Das Tierheim Herne Wanne gibt es mittlerweile bereits seit 1954, zu Beginn noch unter dem Namen „Tier und Vogelschutzverein Wanne-Eickel und Umgebung“. Heute ist der Verein unter dem Namen „Tierschutzverein Herne-Wanne“ tätig und hat rund 700 Mitglieder, von denen circa 50 aktiv im Tierheim tätig sind.
25 Hunde, 60 Katzen und 30 bis 35 Kaninchen können an der Hofstraße ein hoffentlich nur kurzfristiges Zuhause finden. „Unsere Aufgabe ist es natürlich nicht nur Tiere in Not aufzunehmen, sondern sie möglichst schnell auch wieder an die passenden Menschen zu vermitteln. Auch wenn das manchmal nicht so einfach ist“, fasst es Wolfgang Scheibel, 2. Vorsitzender, zusammen. Ein „nicht ganz so einfacher“ Kandidat ist Jimmy (5)- er liegt während unseres Gespräches geradezu idyllisch neben Wolfgang Scheibel im Gras. Dass Jimmy aber auch ganz anders kann, hat er uns zur Begrüßung klar gemacht. Seinen „Freund“ Wolfgang Scheibel verteidigt er… da darf niemand in die Nähe kommen! „Bei Jimmy ist dieser Herdenschutz-Instinkt ausgeprägt – das muss man wissen. Und ihn dementsprechend behandeln. Dann ist er ein super Hund! Am besten, Sie setzen sich etwas weiter von mir entfernt erst einmal hin – dann sehen wir weiter!“
Beeindruckend… kurze Zeit später hat sich Jimmy neben Wolfgang Scheibel ins Gras geschmissen – und scheint entspannt zu dösen! „Gerade an diesem Beispiel kann man sehen, wie wichtig eine gute Beratung im Vorfeld ist. Das ist uns wirklich sehr wichtig – wenn es nicht passt, hat keiner was davon – weder Mensch noch Hund.“
Jimmy habe bereits vier Jahre in einer Familie gelebt, dann sei er ins Tierheim gekommen, weil er eine Freundin der Familie gebissen habe.

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„Wirklich schade – aber da war nichts mehr zu machen! Jetzt hoffen wir natürlich, Jimmy noch vermitteln zu können – er ist halt kein Anfänger-Hund!“ Einfacher mache es das nicht – aber bei so manch einem „Kandidaten“ habe man schon gedacht: Für den finden wir bestimmt niemanden…
„Aber wir geben natürlich nie auf. Und manches Mal sind wir selber überrascht gewesen, wie gut es dann doch passen kann!“
Auch wer sich keinen vierbeinigen Freund anschaffen kann, der ist im Tierheim sehr willkommen. „Unterstützung können wir immer gebrauchen – als Gassigeher zum Beispiel. Wir bieten aber auch Tier- oder Futterpatenschaften an. Oder man wird einfach Mitglied im Verein – der Mindestbeitrag liegt bei 15 Euro im Jahr. Auch das unterstützt uns sehr!“
Gerade während der Corona-Zeit seien ja einige wichtige und vor allen Dingen erträgliche Aktivitäten weggefallen. „Kein Basar, kein Tag der offenen Tür… mit den Einnahmen dieser Veranstaltungen rechnet man natürlich! “
Wer das Tierheim und die Arbeit des Tierschutzvereins unterstützen möchte findet hier weitere Informationen.