Maskenpflicht: „Die Herner verhalten sich sehr diszipliniert“

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Seit Montag gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften eine Maskenpflicht. Die Bürger in den Innenstädten halten sich daran, aber es gibt noch viele Fragen. „Meine Tochter ist sechs Jahre alt, muss sie eine Maske tragen?“, fragt eine Passantin. „Ja, ab sechs Jahren ist es Pflicht“, lautet die freundliche Antwort von Marion Kandel. Die städtische Mitarbeiterin hat sich seit der Corona-Krise freiwillig für den kommunalen Ordnungsdienst gemeldet und ist mit zwei Kollegen unterwegs. Normalerweise arbeitet sie für den Fachbereich Grün, nun schaut sie, ob der Erlass des Landes eingehalten wird. „Die Herner sind sehr diszipliniert. Die meisten halten sich an die Regel. Viele haben noch Beratungsbedarf und sind unsicher, an welchen Orten genau und warum sie die Masken tragen müssen oder ob sie diese richtig aufgesetzt haben.“ Ihr Kollege Somer Blatzer arbeitet sonst im Jugendamt und patrouilliert nun auch durch die Parks und Einkaufszonen: „Wir setzen auf die Vernunft der Leute und klären auf, wenn es Fragen gibt. Wir wollen nur helfen, zum Glück verstehen das die meisten auch.“

Nicht immer einfach zu tragen
Im dm-Drogeriemarkt sorgt ein Wachmann für die Einhaltung der Regeln. Wer keinen Mundschutz hat, kommt nicht rein, kann aber am Eingang eine Einwegmaske erwerben. Bei Tedi kontrolliert Filialleiterin Tanja Gavrilovic die Einhaltung der Maßnahmen: Hände desinfizieren, Abstand halten, Maske tragen. „Die meisten Kunden haben Verständnis, aber es gibt immer noch ein großes Problem mit dem Abstand“, erklärt sie. Eine Mutter mit ihren Kindern ist gerade in dem Geschäft, sie hat die Schutzmasken in der Apotheke erworben und ist froh, dass die Kinder so brav mitmachen. „Für uns alle ist das ein komisches Gefühl, aber die Kleinen lernen schnell, mit den neuen Umständen durch Corona zu leben. Für die Erwachsenen ist es da vielleicht schon schwieriger“, findet Nalin Hajamin.
Etwas ganz anderes macht Katja Greitszus zu schaffen, sie bekommt einfach schlecht Luft unter ihrer Maske. Die Verkäuferin steht vor dem Kleidungsgeschäft ihrer Schwester: „Ja, es ist schon gewöhnungsbedürftig. Ich habe mir die Maske aus einem alten T-Shirt zusammengeschnitten und mir die Anleitung vorher in einem YouTube-Video angeschaut.“ Eine Kundin schaut sich interessiert die Sommerpullis auf dem Ständer an: „Ich muss mir in dieser Zeit jetzt einmal etwas gönnen.“ Obwohl auch sie vor dem Geschäft steht, trägt sie brav ihre selbstgenähte Maske. „Ich bin das gewohnt, da ich im Essener Klinikum arbeite. Mir fällt heute auf, wie viele Menschen die Maske falsch herum tragen oder sie ständig von außen anfassen.“

Masken nähen im Akkord
Den Mund- und Nasenschutz individuell und selbst gestalten, dieser Gedanke gefällt vielen Verbrauchern diese Tage. In der Änderungsschneiderei des Outlet-Geschäftes „marken active“ auf der Hauptstraße in Herne-Wanne surrt die Nähmaschine. Mahmoud Taama schafft circa 150 Masken pro Tag. Etwa zehn Minuten benötigt er, wenn ihn seine Kollegen mit fleißiger Vorarbeit unterstützen. „Es ist erstaunlich, wie hoch der Bedarf ist. Wir machen zurzeit wirklich nichts anderes.“ Der 50-Jährige freut sich, dass er damit vielen Menschen helfen kann. Die Masken werden zum Selbstkostenpreis von fünf Euro veräußert. „Es ist toll, wie alle mitdenken. Wir haben sogar Stoffspenden und Gummibänder von Kunden und Freunden geschenkt bekommen.“ Ob kariert, bunt, schlicht oder mit floralen Mustern – die Kunden können sich ihr Lieblingsmodell aussuchen und individuell anfertigen lassen. Denn schließlich wird dieser Zustand wohl noch ein wenig andauern, das scheint in vielen Köpfen angekommen zu sein.


Da kann man auch, wie Elfi und Walter Walbert, Heimatliebe bekennen. Das Ehepaar trägt beim Shoppen in der Stadt stolz seine Ruhrpott-Masken und hat gleich noch zwei weitere Exemplare für den Sohn und die Schwiegertochter gekauft: „Wenn es sein muss, dann bitte mit Stil.“